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Issue #050 Im Gespräch mit dem Dichter und Schriftsteller Ocean Vuong
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Issue #050 Im Gespräch mit dem Dichter und Schriftsteller Ocean Vuong
Portrait of writer and poet Ocean Vuong standing under the branches of a tree Celeste Sloman/Trunk Archive

Im Gespräch mit dem Dichter und Schriftsteller Ocean Vuong

„Ich bin zum ersten Mal kurz nach meiner Scheidung mit der Arbeit von Ocean Vuong in Berührung gekommen. Ich habe sein Buch ‚Nachthimmel mit Austrittswunden‘ entdeckt, als ich unter anderem lernen musste loszulassen. Vuong schreibt mit eleganter, meisterhafter Behutsamkeit über Trauer, Verlust und Liebe. Mir wurde die Ehre zuteil, mit ihm über die Abschaffung der Heteronormativität und Verletzlichkeit als Form von Stärke und Freiheit sprechen zu dürfen …“ – Glenn Lutz

G: Herzlichen Glückwunsch zu Zeit ist eine Mutter, und vielen Dank für den Raum, den Sie dem Verlust eingeräumt haben. In Ihrem Gedicht Old Glory setzen Sie gesellschaftliche Phrasen in einen neuen Kontext, zum Beispiel in den Zeilen Reiß sie vom Hocker, Digger. Gib ihm, Junge. Du warst der Knaller bei der Show. Das war ne Klatsche. Richtig auf die Fresse. Leichenschändung. Denen haben wir den Arsch aufgerissen. Welche Intention hatte dieses Gedicht? In Ihrem Interview beim Louisiana Channel haben Sie gesagt: „Heteronormativität lässt sich abschaffen, wenn wir den Mut dazu haben.“ Das würde ich gerne genauer beleuchten.

O: Dieses Gedicht ist glaube ich das, auf das ich am meisten stolz bin. Es dauerte mein ganzes Autorenleben, diese Zeilen zu verfassen. Ich musste das Selbstvertrauen aufbauen, die Sprache für sich selbst sprechen zu lassen, auch wenn sie die Gewalt der maskulinistischen Kultur aufdeckt. Doch genau das war meine Hoffnung für dieses Gedicht. Nach meinem Verständnis können Gedichte nicht immer etwas Schönes sein. Wie gute Lieder können sie auch provozieren, irritieren und hinterfragen. Und das Sonett als Ausdrucksform zur Bündelung dieser Standardsprüche zu einer konzentrierten, widerlichen Rede war etwas, das nur das Gedicht als Technologie bewerkstelligen konnte. Darauf bin ich stolz. Zu der Frage, ob sich Heteronormativität abschaffen lässt: Ich glaube, es ist schwer, in einer Kultur zu leben, die uns zu einer engen Definition von „Erfolg“ oder „gut“, „richtig“ oder „falsch“ konditioniert. Es braucht wirklich Mut, sich von etwas derart Starkem zu lösen. Mehr noch: Wir sollten uns mitfühlend bewusst machen, dass dies auch für jene gilt, die darin gefangen sind. Selbst wenn sie stark wirken, leiden auch sie darunter. Es geht hier nicht darum, dass ein Denksystem schlechter als das andere ist – das hängt von der jeweiligen Person ab –, sondern um die Ausdehnung des Akzeptablen, damit alle eine Basis finden, die für sie funktioniert. Der ontologische Ausdruck ist so vielfältig wie die Leute selbst. Was wäre, wenn man nur klassische Musik spielen dürfte, um als „erfolgreicher“ Musiker zu gelten? Wie langweilig! Genauso, wie klassische Musik nicht „falsch“ ist, ist meiner Ansicht nach auch Heteronormativität nicht falsch, aber ich muss Raum für andere [Musikrichtungen] schaffen, was historisch gesehen nicht geschehen ist. 

G: Sie haben über Verletzlichkeit gesprochen, die persönliche Kraft, die Sie beim Kanalisieren der Vulnerabilität erlangt haben, wie unsere Gesellschaft Verletzlichkeit oft mit Schwäche gleichsetzt, und wie Sie festgestellt haben, dass insbesondere verletzliche Personen häufig eine besonders menschliche Stärke aufweisen …

O: Ich glaube, wenn wir Vulnerabilität als gängigen und vielleicht sogar natürlichen Zustand unserer Spezies betrachten (wir sind schließlich eine recht weiche und körperlich schutzlose Spezies, stark in der Gruppe und schwach in Isolation), können wir uns auf weniger oberflächliche Weise miteinander verbinden. Es fällt auf, dass vor allem bei Erwachsenen, denen die Masken der Stärke aufgezwungen wurden, oder die sie sich durch Konditionierung angeeignet haben, Stärke und Erfolg nur gespielt werden – wenn in Wirklichkeit Zweifel, Wut, Angst und Sorge die vorherrschenden Gefühle sind. Wenn wir uns gegenseitig die Erlaubnis geben, die Schutzschilde fallen zu lassen, um das wahre Gesicht unseres Gegenübers zu erkennen, ist das ein Geschenk. Verletzlichkeit ist eine Realität und genauso mit uns verbunden wie unsere Haut. Alles andere ist Verkleidung.

G: Zuletzt: der Tod. Sie haben darüber mit Bedacht in Ihrer Arbeit geschrieben, und wie so viele von uns auf der ganzen Welt mussten Sie mit dem Schmerz und der Trauer umgehen, die der Tod mit sich bringt. Ich weiß, dass Sie gegenüber von einem Friedhof wohnen und dass Sie mit Maranasati, einer buddhistischen Achtsamkeitsübung zum Tod, Ihre Psyche unterstützen … 

O: Ich glaube, in allen Kulturen gibt es verschiedene Versionen von Maranasati oder Memento mori, wie es im europäischen Sprachgebrauch heißt. Erwähnungen des Bewusstseins über den Tod finden sich im Koran, in der Thora und auch in der Bibel – und der Effekt ist dergestalt, dass er die Illusionen der Permanenz in materiellen und sogar gesellschaftlichen Dingen (wie Status, Ruhm, Position) zerstört. Die ultimative Todesmeditation kommt beim Ableben eines geliebten Menschen, so wie es mir bereits mehrfach widerfahren ist. 

In unserer Kultur werden wir häufig ermuntert, die Erinnerung an das Todesbett loszulassen und „nach vorn zu schauen“. Wir bedecken den Körper, sobald er zum Leichnam wird, als wäre der Übergang zu unerträglich, zu endgültig, zu allumfassend. Aber ich glaube, wenn wir dem Tod auf diese Weise beiwohnen, kann das ein Geschenk sein, weil wir zu diesem Moment zurückkehren und ihn als unerschöpfliche Lehre für unsere Art zu leben begreifen können. Wenn wir sehen, wie eine geliebte Person stirbt, denken wir nicht über unseren Reichtum oder unsere Güter oder unsere Errungenschaften oder unsere Karriere nach; wir sind komplett präsent für sie. Das Warten auf den Tod ist ein Akt des Gebens. Wir geben den Sterbenden an ihrem Ende alles. Das ist eine unglaublich großzügige Geste, und ich glaube, wenn wir unser Leben jeden Tag so leben wie an einem Sterbebett, können wir wirklich nachhaltiger, glücklicher und bewusster leben. 

Glenn hat Ocean Vuong im Interview gefragt, welche Musik er zur Selbstfürsorge hört. Hier ist die Spotify-Playlist von Ocean, speziell für uns.

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